Home (Startseite) Es war einmal... (Historie) Bildergalerie Gästebuch Anfahrtsplan Kontakt
Termine News & Infos Service / Login deutsche Version französische Version
 
 
Historie
 

Historie

Mitten in der wunderschönen Landschaft  des Charollais im südlichen Burgund befindet sich ein Schloß, das Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Nebengebäude säumen einen Park, der durch alte Steinmauern in einzelne Gärten aufgeteilt wird. Bewachsen mit einem alten Baumbestand hat er das Ambiente jener französischen Lustgärten, in denen der Landadel weilte. Da sind aber auch durchaus praktische und nützliche Vorrichtungen vorhanden, die von der Noblesse Versailles unterscheiden und dem praktischen Landleben dienlich waren. Schließlich mußte damals ein großer Stab von etwa zwanzig Mitarbeitern, damals eher noch Knechte genannt, ernährt werden.

  Das alte Backhaus zum Beispiel; dann der Nutzgarten mit Gärtnerhäuschen, in denen die "semences", die Samen aufbewahrt und im Frühjahr zu Sämlingen herangezogen wurden. Während der Garten das Jahr über viel schmackhafte Kost geliefert haben dürfte, haben sich dann im Herbst die Gerüche getrockneter Gewürzpflanzen mit dem Duft der Rosen und der zu Sträußen gebundenen und zum Trocknen aufgehängten Gartenblumen gemischt, bis im Winter trotzig noch die vertrockneten Blütendolden der Schafgarbe und der Silberdistel sich aus dem Schnee erhoben, schwer gebäugt von der Last des weißen Pulvers.

Das Muhen der Charollaisrinder auf den Weiden der umliegenden Höfe war zu dieser Jahreszeit längst verstummt - hatten sie doch schon im Herbst einen Platz in den Ställen der umliegenden Bauernhöfe gefunden, die damals allesamt Eigentum der Schloßherren von Le Martret waren.  

Ein anderer Garten mit einer Fläche von 3300 qm enthält in der Mitte einen "pond", einen kleinen Teich für Seerosen, der damals schon geprägt von der Aufklärung und dem Stiel des Klassizismus vielleicht von einem Garten umgeben war, dessen exotische Pflanzensammlung eine "melange", ein Gemisch der schönsten heimischen Sträucher mit den "Mitbringseln" aus Übersee war. Frankreich , "la grande Nation", hatte zum Zeitpunkt des Schoßbaues gerade den Fall Napoleons verkraftet - und doch war nichts mehr wie es einmal war.

Und so könnte es gewesen sein:

Vielleicht hat Jean Baptiste, der vielversprechende Sprössling der Familie, aus lauter Fernweh den Mut gefunden, sich vom gehaßten ewig eintönigen Landleben loszusagen, um in der legion etrangère, der Fremdenlegion, in Marokko sein Glück zu suchen. Sein Bruder war schon vor Jahren nach Kanada aufgebrochen, war doch Quebec nach dem Verlust der Kolonien in den Vereinigten Staaten eine Insel Frankreichs in Nordamerika geblieben, die bis heute die Sprache von Molière und Balsac pflegt... Die Mutter der beiden ließ ihren Blick gerne vom Schloß über die Nebengebäude, in denen das Gesinde von früh bis spät geschäftig war, bis zum Tal gleiten, wo im Schnee die Lichter der Bauernhöfe wie Kristalle tanzten. Sie mag nicht glücklich gewesen sein über die Abenteuerlust ihrer Söhne, wenngleich sie dabei ganz dem Vater, dem stolzen aber leider viel zu früh verstorbenen Schloßherren gleichkamen.

  Währenddessen mußte der Schwiegersohn Hof um Hof verkaufen, um seinen ausschweifenden Lebensstiel zu finanzieren - bis nichts mehr übrig war. Die verschiedenen Stallungen für Schafe, Rinder oder Pferde haben wir vorgefunden, als sei das Vieh gerade auf die Weide getrieben worden. Die "ecurie" (der Pferdestall) zum Beispiel ist das größte Gebäude und die Ständerboxen der letzten Jahrhundertwende schienen bei unserer Ankunft gerade vorübergehend geräumt worden zu sein, während die Pferde ihre Arbeit im Feld taten. Hier könnte jener Kutscher, den Gustav Knut im Film so schön verkörperte, auf seiner trotzigen Fahrt von Berlin nach Paris halt gemacht haben - vorausgesetzt der kleine Bogen sei um des Seelenheiles und des Burgunderweines sinnvoll gewesen - um sein treues Pferd für die Nacht einzustellen.

Über den einzelnen Boxen waren noch immer die Namen der Pferde vor einhundert Jahren angeschrieben - nur tölpelhaft verdeckt von kleinen Kartons, auf denen andere Besucher die Namen ihrer Streitrösser gepinselt hatten: Fritz, Gustav und andere. Ja, auch die "Arier" wußten wo es schön ist - sie haben während der Besetzung die Eigentümer kurzerhand in den Stall verfrachtet. Für uns ist es Veranwortung und Verpflichtung zugleich, das historische Erbe dieses wundervollen Anwesens zu bewahren und zu erhalten. Lassen Sie sich entführen....


Die Schilderung zur Geschichte der Schoßherren ist frei erfunden.... - oder?
Zum Teil. Neben der Phantasie haben auch viele reale alte Postkarten und Briefe Eingang in diese Homepage gefunden.


In Kürze:

Wir konnten dieses Anwesen im Jahr 2000 sozusagen als Start ins neue Millenium erwerben. Während das kleinere Wohnhaus schon relativ gut renoviert und bewohnbar war, war insbesondere das große Wohnhaus (frühere "Écurie", jetzt als Gästehaus ausgebaut), nach jahrelangem Leerstand in einem erbärmlichen Zustand. Und auch viele der zahllosen Nebengebäude waren herunterggekommen bis baufällig.

Wer durch die Bildergalerie surft wird feststellen, das sich Jahr für Jahr als Folge unserer mühevollen Kleinarbeit sowohl der Renovierungszustand der Gebäude als auch der Pflegezustand der Gärten, die wir mit zahllosen neuen Pflanzen ergänzt haben, stetig verbessert hat...